optimierung | die kunst der (klaren) sprache

© d-blog - Bürokomplex Rheinauhafen Köln
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Nach einem zweitägigen Rhetorik- und Kommunikationstraining in Köln, bot sich im Rahmen meines aktuellen Buchprojektes die Gelegenheit, sich mit der Rhetorik und der deutsche Sprache als solches noch weiter auseinanderzusetzen. Als Gegenstand der Rhetorik (griechisch ρητορική - die Redekunst) wird im Allgemeinen die Kunst der freien bzw. öffentlichen Rede bezeichnet. Ein Blick in die Historie zeigt, dass herausragende Persönlichkeiten stets gewöhnliche Menschen mit außergewöhnlichen Visionen waren - und es vor allem verstanden, diese zu kommunizieren. Diese Erkenntnis bildet eine wichtige Grundlage für einen jeden Coachingteilnehmer. Ehrlich gesagt gehe ich mit etwas Angst in solche Veranstaltungen. Es ist weniger die Sorge, dass ich vorne etwas vorstellen muss, als vielmehr die Angst, dass ich zwei Tage lang mit hunderten bunter PowerPoint-Folien voller theoretischer Ansätze von Eisbergmodellen, Sender-Empfänger-Mehrere-Ohren-Konstrukten und Metaebenen der Kommunikation konfrontiert werde. Es ist die Angst vor dem Diebstahl der natürlich limitierten und kostbaren Lebenszeit. Diese Angst resultiert aus diversen sinnfreien Meetings oder Veranstaltungen, die jeder von uns schon einmal durchleben musste. Meines Erachtens geht es bei derartigen Veranstaltungen weniger darum, vorlesungshaft über Aristoteles zu sinnieren und einen Versuch zu unternehmen, verschiedene theoretische Modelle schablonenhaft in die anders tickende Realität zu projizieren. Der Erfolg einer solchen Veranstaltung steht auf zwei wesentlichen Grundpfeilern, die sich unter dem Faktor Mensch zusammenfassen lassen. Zum einmal ist es natürlich der Personal Coach und zum anderen die Teilnehmer selbst. Und so gibt es alle möglichen Konstellationen: Im besten Fall sind beide Seiten höchst interessant und motiviert. Im schlechtesten Fall kann man die Tage abschreiben und neue Bleistift-Akrobatiken ausprobieren. In Köln hat diesmal alles gepasst: Nach dem Philosophen von Hippo (354 n. Chr.) hat es in Claudia Lersch, die Wert auf Ihre rheinischen Wurzeln legt, gebrannt, was dazu geführt hat, dass die anderen Teilnehmer entzündet wurden. Die Kombination von Sachlichkeit und Professionalität auf der einen Seite und der subjektiven Einschätzung und rheinischen Frohnatur auf der einen Seite war inspirierend. Man kann jetzt schon auf Claudia Lersch's Erstlingswerk über die Soziologie Ihrer Seminare gespannt sein, welches nächstes Jahr in die Buchhandlungen einziehen soll. Das Plenum ergänzte die Veranstaltung durch diverse Erfahrungswerte einer bunten Truppe. Schließlich war die interessante Lokation in einer noblen Ecke am Kölner Hafen in einem Glasbau mit Blick auf den Dom ebenfalls förderlich für die Atmosphäre der gesamten Veranstaltung.

Zwei interessante Erkenntnisse aus dem Coaching möchte ich kurz anreißen: Modell-theoretisch versuchen wir durch Rhetorik zwischen uns und unserem Zuhörern eine Identifikation herzustellen, auf deren Basis es ermöglicht wird, unsere subjektive Überzeugung zu verallgemeinern. Wichtig war für mich die Erkenntnis, dass es nicht darum geht einem Idealtyp anzustreben, zumal alleine die genetischen Voraussetzungen (Erscheinungsbild, Stimmfarbe etc.) bei jedem von uns eine andere Voraussetzung bieten. Es geht darum, dass jeder für sich selbst sein Optimum an rhetorischem Geschick unter der Beachtung von standardisierten Basics ausreizt und so versucht eine größtmögliche Identifikation mit dem Plenum zu erreichen. Ein weiterer interessanter Aspekt war die korrekte Wortwahl bei unserem Sprachgebrauch. Die Optimierung der eigenen Sprache wird heute von einigen von uns ad absurdum geführt. In seiner Liebeserklärung an die deutsche Sprache „Speak German – Warum Deutsch manchmal besser ist“ beklagt sich der Autor Wolf Schneider über die zunehmenden Einsatz von Anglizismen in unserer Sprache und schwärmt zugleich von der der Lebendigkeit der deutschen Sprache, die nicht mit Anregungen aus dem Ausland substituiert werden muss. Wo befinden wir uns, wenn ein Human Ressource Managerin in der City Hall auf seinem Handy nach dem Rail-&-Fly-Ticket sucht? In Deutschland natürlich - antwortet Wolf Schneider. Einige Länder seien sogar regelrecht neidisch auf unsere Sprache: Die deutsche Sprache hält nämlich Wörter bereit, bei denen sich in dem Wortlaut schon die Tätigkeit ablesen lässt: So ein Wort ist beispielsweise „schmusen“. Es klingt schon nach der Tätigkeit. Auf der anderen Seite gibt es natürlich einige Begriffe, die derart eingedeutscht sind (wie beispielsweise Meeting oder Laptop), dass es keinen Sinn macht diese mit berufliches Zusammentreffen oder Klapprechner künstlich in die deutsche Sprache zu transferieren. Es ist also abzuraten an der Stelle zu patriotisch zu sein. Wer übrigens die deutsche Sprache kreativ in seine Bestandteile pflücken oder neu erfinden möchte, der sollte einen Blick in der XING-Gruppe WortWerk werfen. Zusammenfassend ist die Kunst der (klaren) Sprache sowohl im Privat- als auch Berufsleben ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Man sollte versuchen, wenn nicht schon für sich selbst, dann zumindest für sein Gegenüber, die Rhetorik wertzuschätzen und die eigene Kunst nicht zu überschätzen. Ein Personal Coaching ist sicher eine sinnvolle Ergänzung zur Selbstreflektion. Summa summarum - last but not least - sollte man grundsätzlich auf sein Wording achten, damit genau solche Halbsätze unser Gegenüber nicht vergraulen. Botschaft an das Appell-Ohr: Schmücke Dich nur mit dem Wortschatz, den du auch wirklich beherrschst.

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