vortrag | wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung

© RWTH Aachen
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Die RWTH Aachen hat mich zum Kolloqium eingeladen. Das Thema meines Vortrages war "Wettbewerb in der Gesetzlichen Krankenversicherung". Der Vortrag wurde an der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen am Institut für Medizinische Informatik gehalten und durch IEEE Engineering in Medicine and Biology Society (German Section) coorganisiert.

Die Gesundheits- und Sozialpolitik hat in den letzten Jahren zunehmend versucht, wettbewerbliche Elemente in die gesetzliche Krankenversicherung zu integrieren. Dies führte in den letzten Jahren zu einer Intensivierung des Wettbewerbs durch zahlreiche Reformzyklen, die weitere Konzentrations- und Selektionsprozesse nach sich zogen. So wurde durch Einführung der Insolvenzfähigkeit von Krankenkassen gemäß § 171b SGB V zum 01.01.2010 und eines gleichzeitig intensivierten Wettbewerbes aufgrund der Einführung des Morbi-RSA zum 01.01.2009 und des Wegfalls des bis Ende 2008 bestehenden Risikopools zur teilweisen Abfederung von Hochkostenfällen innerhalb des Versichertenbestandes einer Krankenkasse eine Welle von Krankenkassenfusionen durch besorgte Kassenvorstände ausgelöst. Mithilfe dieser Maßnahmen sollte unter anderem das von der ehemaligen Gesundheitsministerin im Jahr 2009 formulierte politische Ziel von „30-50 Krankenkassen in Deutschland“ erreicht werden. Spätestens als die ersten Krankenkassen im Jahr 2010 einen Zusatzbeitrag erhoben, wurde eine Welle von Krankenkassenwechslern verzeichnet. Von medialem Interesse begleitet, wurde im Jahr 2011 die erste Krankenkasse in Folge einer Insolvenz geschlossen. Ab dem Jahr 2012 wurden aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage von einigen Krankenkassen Prämien an die Mitglieder ausgeschüttet, die unter anderem zusätzlich auch wechselwillige „gute Risiken“ anlocken sollen. Der Wettbewerb scheint also in der bis dato heilen Kassenwelt angekommen zu sein.

Es bleiben allerdings nach wie vor viele offene Fragen: Der Vortrag „Wettbewerb in der Gesetzlichen Krankenversicherung“ setzte sich mit diesem Spagat der Gesetzlichen Krankenversicherung - zwischen Solidarität und Wettbewerb - auseinander. Hierbei wurden zudem die folgenden Fragestellungen näher betrachtet: Was bedeutet überhaupt Wettbewerb in der Gesetzlichen Krankenversicherung? Was sind die Voraussetzungen für Wettbewerb? Welche Rolle kommt den einzelnen Managementbereichen (Unternehmensführung, Finanzmanagement, Informationsmanagement und Controlling, Marketing etc.) zu? Und vor allem: Wie viel Wettbewerb ist in einem System möglich und sinnvoll, in dem die Finanzströme klar festgelegt sind, ein Großteil der Leistungen weitestgehend vereinheitlicht ist und die Differenzierungsmöglichkeiten nahezu ausgeschöpft erscheinen? Ist eine derzeitige dreistellige Anzahl von Krankenkassen aus wettbewerblicher Sicht gerechtfertigt und ökonomisch sinnvoll? Für die Beantwortung der Fragen wurden ausgewählte Forschungsergebnisse des Vortragenden herangezogen und durch weitere Praxiserfahrungen ergänzt. Der Vortrag endete mit Thesen zur Zukunft eines funktionierenden Wettbewerbs im sozialen Krankenversicherungssystem.